Natürliche, naturidentische und körpereigene Inhaltsstoffe liegen im Trend. Doch der Aufklärungsbedarf bei Naturkosmetik ist hoch. Das bestätigt eine Umfrage von marketagent im Auftrag von Kosmetik transparent in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit. So geben fast 40 Prozent der Befragten an, täglich Naturkosmetikprodukte zu verwenden. Doch der Wissenstand der Österreicher über Naturkosmetika ist lückenhaft.

Kosmetikmarkt weiter im Aufwind

Das Interesse der Österreicher an Kosmetik ist hoch: 80 Prozent verwenden Kosmetika täglich, 13 Prozent mehrmals pro Woche. Der Naturkosmetik-Markt umfasst rund 11 Mio. Euro, das jährliche Wachstum liegt zwischen drei bis vier Prozent. Auch der Anteil der Naturkosmetika am Gesamtmarkt wächst seit Jahren und erreicht in einzelnen Produktgruppen (z.B. Duschgels) bis zu rund 10 Prozent. Zum Vergleich: 2009 lag der Anteil bei etwa fünf Prozent.

Viele Mythen beim Thema „Naturkosmetik“: Aufklärung notwendig

Die Studie zeigt deutlich, dass die Österreicher über Naturkosmetik nicht ausreichend aufgeklärt sind. So meinen 44 Prozent der Befragten, dass in Naturkosmetika keine Chemie zum Einsatz kommt. Dass in Naturkosmetika keine Konservierungsmittel vorkommen, vermuten fast 40 Prozent. Doch ganz ohne Konservierung geht es meist nicht – um die Konsumenten zu schützen und um die Produktleistung und Qualität zu gewährleisten. Fakt ist: Es ist nicht möglich, in kosmetischen Produkten ausschließlich unbehandelte natürliche Inhaltsstoffe zu verwenden und wirksame, den rechtlichen Vorgaben sowie der Verbrauchererwartung entsprechende Produkte „ganz ohne Chemie“ anzubieten. Das wäre für Konsumenten wegen der großen Qualitätsschwankungen von Naturstoffen auch keineswegs wünschenswert.

Die Aussage „Naturkosmetik-Hersteller haben zusätzliche gesetzliche Regelungen“ unterstützen 40 Prozent.

„Tatsächlich unterliegen alle Kosmetikprodukte, egal ob konventionell hergestellt oder sogenannte Naturkosmetik, den gleichen gesetzlichen Bestimmungen. Diese basieren auf der EU-Kosmetikverordnung.“

Für Naturkosmetik gibt es teilweise privatrechtliche Richtlinien sowie eine unüberschaubare Zahl an Gütezeichen. Ein organisiertes Label von Naturkosmetik-Herstellern gibt es in Österreich derzeit aber nicht. Naturkosmetik ist damit kein geschützter Begriff.

Dass Naturkosmetik besser verträglich sei als herkömmliche Kosmetik vermutet rund ein Drittel der Österreicher. Doch in der Natur gibt es viele Pflanzen, die ein allergieauslösendes Potential haben. Und die schwankende Qualität der Naturstoffe ist eine ständige Herausforderung für die Sicherheitsbewertung. Und: Auch herkömmliche Kosmetikprodukte beinhalten häufig Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs.Die Markenkosmetikhersteller verwenden dabei nur veredelte natürliche Inhaltsstoffe, deren Sicherheit eindeutig erwiesen ist.

„Das Risiko natürlicher Inhaltsstoffe ist weniger kalkulierbar und ihr Allergierisiko höher als bei synthetischen Wirkstoffen.“

80 Prozent der Österreicher verwenden Kosmetika täglich

80 Prozent der Österreicher verwenden Kosmetikprodukte täglich, 13 Prozent mehrmals pro Woche. Dabei ist Kosmetik weiterhin ein Frauenthema: 90 Prozent der weiblichen Befragten verwenden Kosmetikprodukte jeden Tag, bei den Männern sind es zwei Drittel. Immerhin rund 19 Prozent der Männer verwenden Körperpflegeprodukte mehrmals pro Woche. Vor allem Frauen spricht Naturkosmetik an: 44 Prozent der weiblichen Befragten verwenden Naturkosmetikprodukte täglich, bei den Männern ist es rund ein Drittel.

Die tägliche Körperpflege: Ein Drittel der Österreicher markentreu

50 Prozent der Befragten geben an, dass es für sie sehr wichtig ist, sich auf eine gleichbleibende Qualität verlassen zu können. Rund 30 Prozent der Österreicher bleiben ihren Kosmetikmarken über viele Jahre treu, wobei vor allem Frauen öfter etwas Neues probieren: 23 Prozent der Österreicherinnen, aber nur zwölf Prozent der Österreicher geben an, je nach Lust und Laune unterschiedliche Produkte zu probieren. Natürliche Inhaltsstoffe sind für 22 Prozent der Befragten ein Kaufargument. Doch nur 15 Prozent der Österreicher sind auch bereit, für Naturkosmetik mehr Geld auszugeben. Mehr als ein Viertel der Befragten findet, dass Naturkosmetik zu teuer ist.

Anforderungen an Kosmetikprodukte hoch

Fragt man die Österreicher, was ihnen bei Kosmetikprodukten am wichtigsten ist, so liegt die hohe Verträglichkeit mit 75 Prozent klar auf Platz 1. Dahinter folgen der angenehme Duft des Produktes (65 Prozent) und die Wirksamkeit (61 Prozent). Ein Produkt abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse ist für 61 Prozent wichtig. Für 57 Prozent der Österreicher ist der günstige Preis der wichtigste Aspekt. Und ein Produkt aus nur natürlichen Inhaltsstoffen ist für rund 46 Prozent der Befragten wichtig. Dass Kosmetika keine Konservierungsmittel enthalten ist für ein Drittel der bedeutsamste Aspekt.

Bei den Ansprüchen an Kosmetika zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. So ist für 78 Prozent der Frauen und 71 Prozent der Männer die hohe Verträglichkeit wichtig, auf einen guten Duft achten über zwei Drittel der weiblichen Befragten und rund 64 Prozent der Männer. Die Wirksamkeit des Produkts ist für 62 Prozent der Frauen und 59 Prozent der Männer der wichtigste Aspekt. Dass das Produkt auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist, ist für zwei Drittel der Frauen ausschlaggebend, aber nur für 45 Prozent der männlichen Befragten. Auch auf natürliche Inhaltsstoffe achten Frauen mehr: Für 51 Prozent der Frauen, aber nur knapp 40 Prozent der Männer, ist dieser Faktor wichtig.

“Naturkosmetik ist ein emotionales Thema, der Aufklärungsbedarf der Verbraucher ist hoch. Denn Qualität und Wirksamkeit eines Kosmetikprodukts hängen nicht vom Ursprung der Rohstoffe ab, sondern von deren Reinheit und Formulierung.”

Die Untersuchung „Erwartungen der Österreicher an (Natur-)Kosmetik“ wurde im März 2014 von marketagent durchgeführt. Auftraggeber der Untersuchung war Kosmetik transparent in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit. Befragt wurden 500 Personen in ganz Österreich zwischen 14 und 65 Jahren. 49% der Befragten waren männlich, 51% weiblich.