Der Trend zu nachhaltigem Konsum prägt auch die Nachfrage nach Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. Fast die Hälfte aller österreichischen Haushalte kaufte im Jahr 2019 gemäß Marktforschungsinstitut GfK zumindest einmal im Jahr Naturkosmetik oder naturnahe Kosmetik. Vor zehn Jahren erzielten Naturkosmetik und naturnahe Kosmetik eine Marktdurchdringung von 41 Prozent, im Jahr 2019 fast 49 Prozent. Zwar hat Naturkosmetik im Vergleich zu 2018 Käufer verloren, diese geben allerdings mehr aus. Trotz dem Trend bestehen nach wie vor keine einheitlichen Regelungen für Naturkosmetik. Was ist Naturkosmetik eigentlich?

Naturkosmetik: Definition

Die Rohstoffe in Naturkosmetik sind überwiegend pflanzlichen, tierischen und mineralischen Ursprungs. Dazu gehören beispielsweise pflanzliche Öle und Fette, Kräuterauszüge, ätherische Öle, Bienen- und Wollwachs sowie Pflanzen- und Erdfarben. Naturkosmetika verzichten auf

  • synthetische Farb- und Duftstoffe,
  • Silikone,
  • Paraffine,
  • und andere Erdölprodukte sowie
  • tote Wirbeltiere und Gentechnik.

Erlaubt sind lediglich einige naturidente Konservierungsstoffe.

Dass die “konventionelle” Kosmetik an bestimmten Inhaltsstoffen festhält, liegt am Mehrwert, den sie bieten. Silikone beispielsweise sind allgemein sehr gut hautverträglich, häufig besser als viele Pflanzenöle aus der Natur. Das liegt daran, dass Silikonöle anders als natürliche Öle kaum auf Sauerstoff reagieren. Sauerstoff zersetzt die Pflanzenöle. Die dabei entstehenden Abbauprodukte führen oft zu Unverträglichkeiten. Silikone hingegen lösen viel seltener Allergien aus.

Wer in Österreich oder in der EU “konventionelle” Markenkosmetik kauft, kann sicher sein, dass die Produkte gesundheitlich unbedenklich sind.

Naturkosmetik vs. Biokosmetik: Was ist der Unterschied?

Für Naturkosmetik müssen die Rohstoffe nicht unbedingt biologisch angebaut bzw. erzeugt worden sein. Erst wenn mindestens 95 Prozent der zertifizierbaren Rohstoffe aus kontrolliert ökologischer Erzeugung stammen, spricht man üblicherweise von Bio-Kosmetik. In den meisten Fällen sind die Bio-Inhaltsstoffe entsprechend gekennzeichnet.

Wie zuverlässig sind Qualitätssiegel?

Eine Orientierungshilfe sind Qualitätssiegel wie z.B. Natrue, Cosmos oder Ecocert. Auf Biokosmetik weisen die entsprechenden Zusätze hin. Karin Gromann vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz empfiehlt den genauen “Blick auf das Etikett”, um zu sehen, nach welchem Siegel ein Produkt als Naturkosmetikum angepriesen wird, und welche Kriterien sich dahinter verbergen. Jeder Hersteller oder Siegelinhaber verfolgt einen etwas anderen Ansatz, besonders hinsichtlich der Kriterien in Bezug auf Auswahl und Verarbeitung der natürlichen Rohstoffe. “Die Unterschiede stecken im Detail”, betont die Expertin. Der Verkauf der Produkte in spezifischen Geschäften wie Reformhäusern sei noch keine Garantie dafür, dass es sich tatsächlich um ein Naturkosmetikprodukt handelt. Die Siegel sagen auch nichts über die Verträglichkeit aus. So können die manchmal in Naturkosmetik verwendeten ätherischen Öle hautirritierend wirken.

Neue Kategorie: Clean Beauty

Als neue Kategorie innerhalb der Naturkosmetik ist die sogenannte “Clean Beauty” entstanden. Bislang gibt es weder eine einheitlich Definition dafür, noch verlässliche Siegel. Vertreter dieser Kategorie definieren ihre Haltung, was Zutaten und Aspekte der Nachhaltigkeit angeht, eigenständig und können sie nach Belieben auslegen. Manche Hersteller beschränken sich auf so wenige Inhaltsstoffe wie möglich, andere setzen auf regionale Inhaltsstoffe. Naturkosmetik ist aber nicht automatisch “clean”.

Kosmetik transparent-Tipp: Um beim Einkauf Produkte zu prüfen und herauszufinden, was sich hinter den Bezeichnungen auf der Verpackung verbirgt, hilft z.B. die INCI-Datenbank.