Immer mehr Konsumenten, die Naturkosmetik verwenden, legen immer größeren Wert auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Dieser Trend betrifft besonders jüngere Käuferschichten, denen es bei dem Kauf von Kosmetika längst nicht mehr nur um natürliche Inhaltsstoffe geht, sondern für die zusätzlich auch ethische Werte eine Rolle spielen. Doch die Definition von Naturkosmetik ist ein Dilemma.

Naturkosmetik: EU-weit keine harmonisierte rechtliche Definition

Dieser Trend zu Naturkosmetik wächst seit Jahren stetig und hat auf dem Markt zu einem regelrechten Boom von “grünen” Kosmetikprodukten bzw. Marken geführt.

Abgesehen von der grundsätzlichen Verpflichtung der Einhaltung der europäischen Kosmetik-Gesetzgebung, besteht hinischtlich der Auslobung als Naturkosmetikum jedoch nach wie vor das Dilemma: Es gibt EU-weit keine harmonisierte rechtliche Definition. Somit kann sich jeder Hersteller seine eigenen Richtlinien für Naturkosmetik schaffen beziehungsweise sich den Kriterien eines bestehenden privatrechtlichen Gütesiegels unterwerfen.

Dadurch entstand eine Vielzahl unterschiedlicher auf dem Markt befindlicher Variationen von Naturkosmetikprodukten, was es den Konsumenten nicht gerade erleichtert, das seinen Erwartungen und Vorstellungen entsprechende Produkt zu finden.

Naturkosmetik: Überwiegend aus natürlichen Bestandteilen

Positiv anzumerken ist, dass der Konsument grundsätzlich davon ausgehen kann, dass die meisten Siegel-Inhaber von Naturkosmetik einen gewissen Mindeststandard erfüllen. Sie enthalten Stoffe, die zu einem überwiegenden Teil aus natürlichen, also in Natur vorkommenden Bestandteilen bestehen. Sie verzichten auf

  • synthetische Farb- und Duftstoffe,
  • Silikone,
  • Paraffine,
  • und andere Erdölprodukte sowie
  • tote Wirbeltiere und Gentechnik.

Erlaubt sind lediglich einige naturidente Konservierungsstoffe. Doch dann verschwimmen die Grenzen über den Mindeststandard hinaus. Jeder Hersteller oder Siegelinhaber verfolgt einen etwas anderen Ansatz besonders hinsichtlich der Kriterien in Bezug auf die Verarbeitung der natürlichen Rohstoffe. Die Unterschiede stecken im Detail.

Naturkosmetik: Grenzen weichen auf

In Österreich ist im Österreichischen Lebensmittelbuch, Kapitel Naturkosmetik (ÖLMB), zusammengefasst, was sich der Konsument von Naturkosmetik erwarten darf: Nämlich eine möglichst auf ihre Ursprünglichkeit der Naturstoffe basierende Formulierung. Man ist der Auffassung, der Einsatz und die Verarbeitung der Naturstoffe haben ihre Grenzen.

Viele Siegelinhaber und Naturkosmetikhersteller sind mittlerweile dazu übergegangen, durch Erweiterung ihrer ursprünglich strengeren Kriterien ihre Produktpalette zu verbreitern – beispielsweise durch die Aufnahme von naturidenten Rohstoffen oder zusätzlichen chemischen Verarbeitungsprozesse – meist zu Lasten der Ursprünglichkeit der Naturstoffe.

Eine der Ursachen ist nicht zuletzt die in den letzten Jahren geänderte Erwartungshaltung der Verbraucher an die Funktion und Wirksamkeit eines Naturkosmetikums einerseits und andererseits durch den immer stärker werdenden Wettbewerbsdruck.

Blick auf das Etikett kann Sicherheit geben

Um das gewünschte Produkt zu finden, bleibt dem Konsumenten lediglich der Blick auf das Etikett, um zu sehen, nach welchem Siegel ein Produkt als Naturkosmetikum angepriesen wird, und welche Kriterien sich dahinter verbergen. Die Abgabe in spezifischen Geschäften wie Reformhäusern ist noch keine Garantie dafür, dass es sich tatsächlich um ein Naturkosmetikprodukt handelt.

Ein Kommentar von Karin Gromann vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz. Siehe auch den Beitrag: Ist Naturkosmetik immer sicher?