Auf vielen Duschgels und Cremes prangt das Siegel „pH-neutral“. Doch was bedeutet das eigentlich genau? Ist es das Gleiche wie chemisch neutral? Und warum ist der richtige pH-Wert für unsere Hautbarriere überlebenswichtig?

In diesem Artikel erfahren Sie, wie der Säureschutzmantel funktioniert, warum „neutral“ nicht immer gleich „neutral“ ist und worauf Sie bei der Pflege von empfindlicher Haut, Babyhaut und dem Intimbereich achten müssen.

Der Säureschutzmantel: Das unsichtbare Schutzschild

Unsere Haut ist nicht nackt. Sie ist von einem feinen Wasser-Fett-Film überzogen, der aus Talg, Schweiß und Hornzellen besteht. Dieser sogenannte Säureschutzmantel erfüllt eine entscheidende Funktion: Er wehrt fremde Keime, Bakterien und Pilze ab.

Um diesen Schutz aufrechtzuerhalten, ist das Milieu unserer Haut leicht sauer. Gemessen wird dieser Säuregrad in pH (potentia Hydrogenii):

  • pH 0 bis 6: Saurer Bereich

  • pH 7: Neutraler Bereich (z. B. reines Wasser)

  • pH 8 bis 14: Alkalischer Bereich (Laugen)

Während Wasser mit einem pH-Wert von 7 als chemisch neutral gilt, liegt der pH-Wert gesunder Haut zwischen 5 und 6,5.

pH-neutral oder hautneutral: Der feine Unterschied

Hier entsteht oft Verwirrung: Wenn auf einem Kosmetikprodukt „pH-neutral“ steht, ist damit meist nicht der chemische Neutralpunkt (pH 7) gemeint. Das wäre für die Haut bereits zu alkalisch.

In der Kosmetik bedeutet pH-neutral vielmehr „pH-hautneutral“. Das heißt: Die Reinigung oder Creme ist dem natürlich sauren pH-Wert der Haut angepasst und liegt – je nach Einsatzgebiet – zwischen 4 und 6,5.

Warum Wasser allein nicht reicht (und Seife schadet)

Viele fragen sich: „Warum reicht Wasser zur Reinigung nicht aus?“ Wasser hat einen pH-Wert von 7. Es reinigt zwar grob, kann aber fettlösliche Stoffe nicht entfernen. Im Laufe des Tages und nachts sammeln sich auf der Haut zahlreiche Rückstände:

  • Schmutzteilchen & Umweltbelastungen

  • Überschüssiger Talg

  • Abgestorbene Hautzellen

  • Keime

Ohne eine gründliche Gesichtsreinigung verstopfen die Poren, was zu Unreinheiten und Entzündungen führt.

Vorsicht bei herkömmlicher Seife

Jede Reinigung ist ein kleiner Angriff auf unseren Säureschutzmantel. Gesunde Haut verkraftet das und baut den Schutz innerhalb von 30 Minuten wieder auf. Bei empfindlicher Haut sieht das anders aus. Klassische Seife hat oft einen alkalischen pH-Wert von ca. 9. Das bringt die Haut aus dem Gleichgewicht. Besser sind Syndets, Waschgels oder Lotionen, die pH-hautneutral formuliert sind und den Säureschutzmantel schonen.

Spezialpflege: Babyhaut und Intimbereich

Nicht jede Hautstelle hat dieselben Bedürfnisse. Hier ist besondere Vorsicht geboten:

Empfindliche Babyhaut

Die Haut von Babys ist etwa 20 bis 30 % dünner als die von Erwachsenen. Ihre Talgdrüsen arbeiten noch nicht auf Hochtouren, weshalb der schützende Lipidfilm fehlt. Babyhaut kann Feuchtigkeit zwar schnell aufnehmen, verliert sie aber genauso schnell wieder.

  • Die Lösung: Spezielle Babypflege ist strikt pH-hautneutral, unterstützt den noch lockeren Zellverbund und pflegt besonders mild – von Kopf bis Fuß.

Der Intimbereich

Der weibliche Intimbereich ist mit einem pH-Wert von 4 bis 4,4 deutlich saurer als die restliche Körperhaut. Dieser Säuregrad ist essenziell, um Bakterien im Scheidenbereich abzuwehren.

  • Die Lösung: Herkömmliche Duschgels sind hier oft zu aggressiv. Nutzen Sie für die Intimpflege seifenfreie, alkoholfreie Waschlotionen, die exakt auf diesen niedrigen pH-Wert abgestimmt sind.

7 Tipps für die pH-freundliche Hautpflege

Sie haben empfindliche oder gereizte Haut? Mit diesen Tipps schützen Sie Ihren Säureschutzmantel:

  1. Saure Reinigung: Nutzen Sie Produkte mit einem pH-Wert zwischen 4 und 6,5.

  2. Temperatur: Vermeiden Sie heißes Wasser bei der Gesichtsreinigung – es trocknet aus. Lauwarmes Wasser reinigt genauso gut und ist sanfter.

  3. Badezusatz: Pures Wasser laugt die Haut aus. Verwenden Sie pflegende Badeöle.

  4. Trocknen: Rubbeln Sie empfindliche Stellen nicht ab, sondern tupfen Sie die Haut trocken.

  5. Nachpflege: Cremen Sie die Haut nach der Reinigung immer ein, um Feuchtigkeit einzuschließen.

  6. Hygiene: Wechseln Sie Waschlappen und Handtücher regelmäßig.

  7. Schutz: Auch in jungen Jahren ist Sonnenschutz der wichtigste Faktor, um die Hautbarriere langfristig gesund zu halten.

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