Jeden Tag erleben wir eine unsichtbare, aber mächtige Welt an Düfte: Mit jedem Atemzug nehmen wir eine Vielzahl von Dufteindrücken wahr – Schätzungen zufolge verarbeitet unsere Nase bis zu 10.000 verschiedene Gerüche pro Tag. Doch wie entsteht aus dieser Vielfalt ein harmonisches Parfum oder der Duft unserer Lieblingscreme?
Warum Düfte unser Wohlbefinden steuern
Düfte sind weit mehr als nur ein angenehmer Nebeneffekt. Sie wirken direkt auf unser limbisches System im Gehirn und beeinflussen so maßgeblich unser Wohlbefinden. Je nach Zusammensetzung der Duftstoffe können sie unterschiedliche Wirkungen erzielen:
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Beruhigend: Lavendel oder Melisse entspannen nach einem langen Tag.
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Anregend: Zitrusnoten spenden Energie und Frische.
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Erotisierend: Schwere, orientalische Noten wirken oft verführerisch.
Da der Geruch eines Produktes ein wesentliches Kaufkriterium ist, findet man Duftkompositionen heute in fast allen Bereichen der Kosmetik – von Seifen und Duschbädern bis hin zu Haarshampoos und Körperlotionen.
Die Kunst der Parfumherstellung: So werden Düfte und Duftstoffe gewonnen
Ein Parfumeur greift bei seiner Arbeit auf ein Repertoire von etwa 2.000 verschiedenen Duftstoffen zurück. Eine einzelne Komposition besteht meist aus 30 bis 80 Grundstoffen, kann im Einzelfall aber bis zu 200 Komponenten umfassen. Die Gewinnung dieser wertvollen Essenzen ist eine jahrtausendealte Handwerkskunst.
Die wichtigsten Gewinnungsmethoden für pflanzliche Öle:
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Destillation: Durch Wasserdampf werden die ätherischen Öle aus Pflanzen gelöst – eine Methode, die bereits in der Renaissance durch Gelehrte wie Leonardo da Vinci weiterentwickelt wurde.
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Mechanisches Auspressen: Vor allem bei Zitrusfrüchten wird das Öl direkt aus der Schale gewonnen.
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Extraktion mittels Lösungsmittel: Diese moderne Form hat die historische Enfleurage (die Gewinnung mittels Fett) weitgehend abgelöst. Hierbei entstehen die sogenannten „Absolues“.
Wussten Sie schon? Absolues sind extrem kostbar. Um nur einen einzigen Tropfen Jasmin Absolue zu gewinnen, müssen etwa 200 Jasminblüten mühsam von Hand gepflückt werden.
Natürlich vs. Synthetisch Düfte: Ein Duo für die perfekte Nase
Oft herrscht der Glaube vor, natürliche Duftstoffe seien besser. Doch für unsere Nase und den chemischen Aufbau macht es keinen Unterschied: Natürliche und synthetische Duftstoffe sind identisch.
Die synthetische Herstellung ist heute unerlässlich, da:
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Die Ressourcen an natürlichen Rohstoffen begrenzt sind.
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Künstliche Riechstoffe oft exaktere und geruchsintensivere Ergebnisse liefern.
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Sogenannte Phantasiekompositionen erst durch die Chemie möglich werden.
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Bestimmte Düfte, wie das Maiglöckchen, durch Destillation oder Extraktion gar nicht gewonnen werden können und erst im Labor perfekt nachgebildet wurden.
Parfümierung in der Kosmetik: Eine wissenschaftliche Herausforderung
Die Integration eines Duftes in ein kosmetisches Produkt ist eine hochkomplexe Wissenschaft. Es geht nicht nur um das Aroma, sondern um Stabilität und Produktsicherheit. Ein Duft darf die Textur einer Creme nicht verändern und muss über die gesamte Haltbarkeitsdauer stabil bleiben. Markenhersteller investieren viel Zeit, um sicherzustellen, dass die parfümierten Momente in unserem Alltag nicht nur verwöhnend, sondern auch sicher für die Haut sind.
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