“100 % Natur, das können Kosmetikprodukte niemals erreichen. Bei Sonnenschutzmitteln etwa reichen natürliche, mineralische Filter nicht aus, um den für Konsumenten so wichtigen, gesetzlich geforderten UVA/UVB-Breitbandschutz zu gewährleisten”, sagt Dr. Karin Gromann vom Gesundheitsministerium.

In manchen Produktkategorien ist die Herstellung von Naturkosmetik daher nicht oder nur schwierig möglich. Know-how und Erfahrung erfordert auch die Herstellung von Shampoos und Duschbädern. Denn hier dürfen nach dem Codexkapitel Naturkosmetik nur Zuckertenside verwendet werden, die in Reinform die Haare austrocknen können. Auch die Herstellung von Farbpigmenten für Make-up, Lippenstift oder Lidschatten ist nur eingeschränkt in Erd-, Braun- und manchen Rottönen möglich.
Konservierungsmittel: Ohne geht’s nicht

Manchmal ist Natur pur aber auch im Sinne der Anwender nicht möglich. Denn an erster Stelle steht ihr Schutz, ihre Gesundheit und ihre Sicherheit – auch bei Naturkosmetika. Deshalb gibt es für manche Inhaltsstoffe wie Konservierungsmittel eine Ausnahme. Der Grund: Verdorbene Kosmetika können heftige Hautreizungen auslösen. Wie Brot schimmelt oder Milch sauer wird, können auch Kosmetika rasch verderben, dagegen hilft auch nicht die Aufbewahrung im Kühlschrank. Durch ihren Wasseranteil bieten sie Keimen und Bakterien eine ideale Brutstätte.

Deshalb müssen Kosmetikprodukte haltbar gemacht werden. Das passiert einerseits durch bestimmte zugelassene Konservierungsmittel, andererseits durch Produktzusammensetzung und Verpackung. Auch die Stiftung Warentest hielt schon 2009 fest: „Unsere Tests zeigen, dass Naturkosmetika zum Teil anfälliger für Keimbefall sind, da sie meist auf synthetisch hergestellte Konservierungsmittel verzichten.“

Dr. Karin Gromann vom Gesundheitsministerium warnt: „Ganz ohne Konservierung geht es meist nicht – einerseits um die Konsumenten zu schützen, andererseits um die Produktleistung und Qualität zu gewährleisten.“

Als Konservierungsmittel für Naturkosmetika sind daher auch bestimmte im Labor nachgebaute, naturidente Stoffe zugelassen. Dazu gehören etwa Ameisensäure, Benzoesäure, Benzylalkohol, Propionsäure, Salizyl- und Sorbinsäure. Aber auch ätherische Öle und Alkohole haben eine konservierende Wirkung. Das muss auch bei der Bezeichnung „frei von Konservierungsstoffen“ berücksichtigt werden.